Martin Sexl (Vergleichende Literaturwissenschaft, Innsbruck)

Situationskunst oder: Von der Auflösung der Grenzen zwischen Kunst und Politik – Virtual Lecture
21.12.2020

Ort: Virtual Lecture via Zoom

Zeit: 18.00 Uhr

Kontakt: Lea Kreuzburg
(lea.kreuzburg[at]uni-koeln.de)

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Mit dem Begriff Gegenwartskunst, der keinen Epochenbegriff darstellt, soll vereinfacht formuliert jene Kunst bezeichnet werden, die einen herkömmlichen Werkbegriff in Frage stellt, aber doch institutionell so klar verortet ist, dass sie in der Regel als Kunst erkennbar ist und bleibt und eindeutig von Nicht-Kunst abgegrenzt werden kann (das reicht von den Readymades von Marcel Duchamp über die Konzeptkunst und die Happenings der 1960er Jahre bis zum postdramatischen Theater).

Mit dem Begriff Situationskunst hingegen sollen, wiederum zugespitzt, jene Phänomene gefasst werden, die in den Alltag (bzw. in andere Systeme der Gesellschaft: Politik, Religion, Wirtschaft etc.) in einer Form intervenieren, dass die Intervention manchmal gar nicht als Kunst wahrgenommen und auf jeden Fall die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst irritiert, aufgebrochen oder eingerissen werden (dazu zählen etwa das Agit-Prop-Theater von Béla Balázs um 1930, das Unsichtbare Theater von Augusto Boal und die Situationistische Internationale in den 1960er Jahren, Pussy Riot oder der ›Ausländer raus!-Container‹ von Christoph Schlingensief).

Der Vortrag wird der Frage nachgehen, in welcher Form und mit welchen (gesellschaftspolitischen) Implikationen Situationskunst und Alltag (Politik, Wirtschaft etc.) miteinander interagieren: Kann Situationskunst institutionalisiert (und solchermaßen von Zwängen freigespielt oder, im Gegenzug, eingehegt werden)? Entgeht die Situationskunst ihrer medialen Fixierung (etwa durch fotografische/filmische Dokumentation) und damit den ›Fallen der Repräsentation‹, d.h. etwa der Kommodifizierung? Und was bedeutet Situationskunst für unseren Alltag auf der einen Seite, für die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihr und für die traditionellen Konzepte der Kunst- und Literaturwissenschaft wie Kunstautonomie, Spiel, Autorschaft oder Fiktionalität auf der anderen?

Die MLC Vorträge finden in diesem Semester aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie als virtuelle Vorträge über Zoom statt. Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich willkommen.  Zur Anmeldung für eine Online-Lecture wenden Sie sich bitte an Lea Kreuzburg (lea.kreuzburg[at]uni-koeln.de).