Christiane Frey (Neuere deutsche Literatur, Berlin)

Rechnen mit Fiktion: Leibniz und kein Ende
07.12.2020

Ort: Virtual Lecture via Zoom

Zeit: 18.00 Uhr

Kontakt: Lea Kreuzburg
(lea.kreuzburg[at]uni-koeln.de)

Plakat herunterladen
Flyer herunterladen

Aus einem „Abgrunde“ habe es ihn gezogen, erklärt Leibniz in seiner kleinen Schrift De libertate, contingentia et serie causarum, providentia von 1689, als er begonnen habe zu verstehen, dass es auch Kontingentes gebe. Nicht wenig zu dieser Einsicht beigetragen haben nicht nur die Mathematik und die Beschaffenheit der infiniti, sondern auch die fabulas, wie sie sich in “Romanen” finden: werden diese doch auch dann “an sich für möglich gehalten”, wenn sie in der existierenden “Reihe des Universums (serie Universi)” zu keiner Verwirklichung kommen. – Aus dieser bei Leibniz als epistemischem Umbruch inszenierten Zusammenführung von Dichtung und Mathematik ergeben sich nun eine Reihe folgenreicher Bezüge und neuer Praktiken. Denn in dem Moment, in dem fabula und infiniti in Analogie gebracht werden und daraus folgend auch die Materie und das Wissen von ihr als kontingent erscheinen, erweist sich jeder Zugang zur Welt als stets nur vorläufig und unabdingbar einer prozessualen Pragmatik unterworfen. Anders gesagt entstehen bei Leibniz aus einer komparativen Epistemik von Dichtung und Mathematik neue Formen im Umgang mit dem Infinitesimalen selbst und damit auch neue Praktiken der Verwaltung von kontingentem Wissen. In ihrem Vortrag „Rechnen mit Fiktion: Leibniz und kein Ende“ (der zugleich als Auftakt zu einem bis auf weiteres verschobenen Workshop zum Thema „Formen des Infinitesimalen, Praktiken der Kontingenz“ gedacht war) wird Christiane Frey untersuchen, wie sich Leibniz‘ Überlegungen zum Infinitesimalen und zur Fiktion in Verfahren der Abbreviation, der Kompilation, des Exzerpierens und nicht zuletzt der geistigen Übung übersetzen.

Die MLC Vorträge finden in diesem Semester aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie als virtuelle Vorträge über Zoom statt. Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich willkommen.  Zur Anmeldung für eine Online-Lecture wenden Sie sich bitte an Lea Kreuzburg (lea.kreuzburg[at]uni-koeln.de).