Alison Lewis

German Studies, Melbourne
Fellowship: 15.02.–15.07.2018; 15.4.-15.7.2020

lewisa(at)unimelb.edu.au

Vita

Alison Lewis studierte Germanistik an der University of Adelaide, Australien und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (MA) und promovierte 1990 an der University of Adelaide. 1998-1999 war sie Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Universität zu Köln bei Professor Günter Blamberger. Ab 1995 war sie als Senior Lecturer angestellt und seit 2010 als Professor an der University of Melbourne. Seit 2008 war sie Mitherausgeber (mit F.-J. Deiters, A. Fliethmann, B. Lang und C. Weller) der Reihe »Limbus: Australisches Jahrbuch für germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft« im Rombach-Verlag, sowie Mitherausgeber der Reihe »Transpositionen« im Röhrig-Verlag (mit F.-J. Deiters, P. Morgan und Y. Lü). Seit 2005 ist sie Fellow der Australian Academy of the Humanities und Präsidentin der German Studies Association of Australia (2007-2011). Ihre wichtigsten Publikationen sind: »Subverting Patriarchy: Feminism and Fantasy in the Works of Irmtraud Morgner« (Berg 1995), »Die Kunst des Verrats: der Prenzlauer Berg und die Staatssicherheit« (Königshausen & Neumann 2003), »Eine schwierige Ehe: Liebe, Geschlecht und die Geschichte der Wiedervereinigung im Spiegel der Literatur« (Rombach 2009), »Secret Police Files from the Eastern Bloc: Between Surveillance and Life Writing« (hg. mit V. Glajar und C. M. Petrescu, Camden House 2016), »A History of the Case Study: Sexology, Psychoanalysis and Literature« (mit Birgit Lang und Joy Damousi, Manchester UP, 2017) und »Cold War Spy Stories from Eastern Europe« (hg. mit V. Glajar und C. M. Petrescu, Potomac Books 2019).

 

Fields of Research

Germanistik; Literatur und Politik; Gender und die Literatur der Wende; Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit und der Staatssicherheitsdienst; Intellektuellen und Macht; Gegenwartsliteratur; Gedächtnisforschung; Life writing

Project outline

Notwendigkeit und Kontingenz in der Lebensbeschreibung und den Staatsarchiven von exilierten Schriftstellern der DDR

Die Auflösung der DDR 1989/90 bedeuteten für viele Bürger des Landes einen Einschnitt unvorhergesehen Ausmaßes in ihr Leben. Die historischen Ereignisse verursachten tiefgreifende Brüche in Karrieren und Biographien, die eine Neuorientierung in den meisten Facetten des Lebens erforderten. Für diejenigen, die zu den Opfern des Regimes zählen, brachten die Wendezeiten nicht nur eine Umorientierung mit Hinblick auf die Zukunft, sondern auch eine intensive Rückbesinnung auf die Vergangenheit. Diese Erinnerungsarbeit wurde vornehmlich durch die Öffnung der Staatsarchive der DDR 1991/92 und in den folgenden Jahren ermöglicht und gefördert. Insbesondere die Lektüre der Bestände der Sicherheitspolizei, bzw. des Ministeriums für Staatssicherheit (der Stasi), führten für die Betroffenen zu einer radikalen Infragestellung vergangener Ereignisse und Erinnerungen, die man bisher als festen Bestandteil der Lebensgeschichte akzeptiert hatte. Im Extremfall mussten wesentliche Kapitel der Biographie nachträglich umgeschrieben werden. Vieles, was man für unabwendbar hielt, erweist sich nach der Lektüre der Stasi-Akten, als kontingent, und vieles, was man als Zufall oder Unglück sah, erweist sich als von dem Staat oder der Sicherheitspolizei heimlich manipuliert. In den meisten dokumentierten Fällen von DDR-Dissidenten benötigte die Akteneinsicht eine weitreichende Überprüfung von Schlüsselereignissen und Lebensentscheidungen, die zu einem Umschreiben der eigenen Biographie führte. Wie Klaus Schlesinger behauptet, zählt die Lektüre seiner Stasi-Akte zu den wichtigsten Taten seines Lebens: „Wieder einmal musste ich Positionen, die ich für gesichert hielt, radikal revidieren“ (Schlesinger 1993, 30). In diesem Projekt möchte ich der Frage der Kontingenz und Notwendigkeit in den Biographien einer Auswahl von Schriftstellerleben in der Zeit unmittelbar nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 nachgehen. Mein Augenmerk richtet sich besonders auf den Beitrag, den eine Lektüre der Stasiakten leisten kann zur Erhellung der vielen kausalen Faktoren, die bei entscheidenden Lebensabschnitten von Autoren jeweils maßgebend waren. Zuerst gilt es, die kontingente Natur der Abläufe zu untersuchen auf der Basis der archivierten Zeugnisse. Durch einen Vergleich mit Zeitzeugenberichten ist es möglich, die kausale Kette von Ereignissen aufzuschlüsseln, und auf beiden Seiten die Rolle der Kontingenz zu beleuchten.

Publications (Selection)

GLAJAR, V., A. LEWIS and C. L. PETRESCU (eds.) (2019) Cold War Spy Stories from Eastern Europe. Lincoln: Potomac Books.

LANG, B., J. DAMOUSI and A. LEWIS. (2017) A History of the Case Study: Sexology, Psychoanalysis and Literature. Manchester: Manchester UP.

LEWIS, A. (2009) Eine schwierige Ehe: Liebe, Geschlecht und die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung im Spiegel der Literatur. Freiburg: Rombach: 345 pp.

LEWIS, A. (2003) Die Kunst des Verrats: Der Prenzlauer Berg und die Staatssicherheit. Würzburg: Königshausen & Neumann: 272 pp.

LEWIS, A. (1995) Subverting Patriarchy: Feminism and Fantasy in the Works of Irmtraud Morgner. Oxford: Berg Publishers: x + 315 pp.

GLAJAR, V., A. LEWIS and C. L. PETRESCU (eds.) (2016) Secret Police Files from the Eastern Bloc: Between Surveillance and Life Writing. New York: Camden House.

LU, Y., T. STEPHENS, A. LEWIS, and W. VOSSKAMP (eds.) (2012) Wissensfiguren bei Heinrich von Kleist. Freiburg i. Br.: Rombach.

LEWIS, A. (2019) “The Stasi’s Secret War on Books: Uwe Berger and the Cold War Spy as Informant and Book Reviewer.” In Cold War Spy Stories from Eastern Europe. Ed. V. Glajar, A. Lewis, and C. L. Petrescu. Lincoln, Nebraska: Potomac Books: 99-134.

LEWIS, A. (2016) “The Secret Lives and Files of Stasi Collaborators: Reading Secret Police Files for Identity and Habitus.” In: Secret Police Files from the Eastern Bloc: Between Surveillance and Life Writing. Ed. V. Glajar, A. Lewis and C. Petrescu. New York: Camden House: 27-55.

LEWIS, A. (2015) “Tinker, Tailor, Writer, Spy: The Stasi and GDR Literature.” In: Re-reading the GDR: Cambridge Companion to the GDR. Ed. Karen Leeder. Cambridge: Cambridge UP: 180-196.