Morphome des Wissens

Geographische Kenntnisse und ihre konkreten Ausformungen
15.–17.07.2010

Das Internationale Kolleg „Morphomata: Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen“ der Universität zu Köln organisiert vom 16. – 17. Juli (mit einem Abendvortrag am 15. Juli) einen zweitägigen Kongress zum Thema Morphome des Wissens: Geographische Kenntnisse und ihre konkreten Ausformungen. Unser Kolleg setzt sich, in Anlehnung an die griechische Bedeutung des Grundbegriffs „Morphomata“, mit konkret wahrnehmbaren Ausformungen bzw. Figurationen von kulturellen Vorstellungen, Erkenntnissen und Gegebenheiten auseinander. Das Kolleg erforscht die Genese, Dynamik und Medialität solcher Morphome in mehreren ausgewählten zeit- und kulturübergreifenden Themenbereichen (zunächst: Morphome des Wissens und der Wissens-ordnung; Morphome der Schöpferischen; später: Morphome des Heiligen und der Herrschaft; Morphome des Todes). Die Mitarbeiter des Kollegs sowie international eingeladene Fellows verschiedenster Fachrichtungen untersuchen die unter dem Gesamtthema der „Morphomata“ subsumierten Aspekte und Fragestellungen in ihren jeweiligen Bereichen und in gemeinsamem Austausch. In der Summe werden dadurch grundlegende Einsichten in das Wesen und in die Funktionsweisen menschlicher Kultur erhofft.

Die mit dem Oberbegriff der Morphome des Wissens unter den Aspekten ihrer Genese, Dynamik und Medialität greifbaren Fragestellungen sollen in der geplanten Tagung Morphome des Wissens: Geographische Kenntnisse und ihre konkreten Ausformungen zur Anwendung kommen. Es geht einerseits darum, in welchen Ausformungen sich geographische Erkenntnisse überhaupt erst konkretisieren können (Genese), andererseits um die Wirkung und die Persistenz solcher Figurationen und natürlich auch um Umdeutungen und Neuverwendungen von bestehenden Morphomen geographischen Wissens (Dynamik). In diesen Zusammenhang soll auch die große mediale Bandbreite von Morphomen geographischer Erkenntnisse z.B. in Listen, literarischen Beschreibungen, figürlichen Bildern, abstrahierenden Zeichnungen und kartographischen Projektionen vorgestellt werden (Medialität).

Es geht dabei nicht um einen geschlossenen historischen Abriss von dem wohl ältesten bekannten Stadtplan von Çatal Hüyük (um 6200 v. Chr.) bis zu Google Earth, sondern um eine Reihe von Fallstudien mit dem Schwerpunkt auf antiken und außereuropäischen Wissensordnungen.

Ausgangspunkt der Untersuchungen ist die griechisch-römische Antike, was zum einen durch die hier besonders deutlich wahrnehmbare Vielfalt vormoderner Figurationen geographischen Wissens begründet ist und zum anderen den bedeutenden neueren Forschungen und wichtigen Entdeckungen auf dem Gebiet der antiken Geographie geschuldet ist. Hier werden vor allem verschiedene Arten der Konkretisierung geographischen Wissens in den unterschiedlichen Medien der Antike im Vordergrund stehen.

Der zweite Tag wird die Erkenntnisse des ersten Tages weiterführen, indem er eine Fokussierung von geographischen Kenntnissen auf außereuropäische Wissensformen vornimmt. Im Zentrum sollen dabei vor allem Gegenperspektiven zu den am ersten Tag vorgestellten antiken Wissensordnungen stehen.

Audiomitschnitte

Michael Rathmann (Berlin): Geographie in der Antike. Überlieferte Fakten, bekannte Fragen, neue Perspektiven.

René Nünlist (Köln): Homers Schiffskatalog

Reinhold Bichler (Innsbruch): Herodot und die ethnographische Erfassung der Oikumene

Klaus Geus (Berlin): Wie erstellt man eine Karte von der Welt? Die Lösung des Ptolemaios und ihre Probleme

Jürgen Hammerstaedt (Köln): Geographische Raumerfassung im Artemidorpapyrus

Klaus Stefan Freyberger (Rom): Die Forma Urbis Romae: Funktion und Bedeutung

Alan Shapiro (Baltimore/Köln): The Origins of Greek Geographical Personifications

Klaus Schmidt (Berlin): Der älteste Stadtplan der Welt? Zu einer Wandmalerei von Çatal Hüyük

Franziska Ehmcke (Köln): Strategien der Identifizierung geographischer Orte in der traditionellen japanischen Malerei, dargestellt am Beispiel des Grazer Paravents mit der Darstellung Ôsakas Anfang des 17. Jahrhunderts

Ingrid Heermann (Stuttgart): Sternenkompass und Stabkarten - zur Navigation in Mikronesien

Tarek Kahlaoui (Rutgers University): Medieval Western European and Islamic Geographic Knowledge in Cultural Exchance

Michael Bollig (Köln): Topographische Inventare in der Dichtung Namibias

Jan Morke (Wien): Globen als Speicher von Wissen

Sabine Poeschel (Stuttgart): Allegorien der vier Erdteile in der Kunst der Neuzeit