Monika Rinck (Berlin)

Hetzjagd, Sinn und Sense.
05.07.2016

Ort: Bibliothek des Internationalen Kollegs Morphomata, Weyertal 59 (Rückgebäude, 3. Etage), 50937 Köln

Zeit: 19.30 Uhr

Kontakt: Ansgar Wagemann (wagemans[at]smail.uni-koeln.de)

HETZJAGD, SINN UND SENSE
Vom poetischen Tempo

Was bedeutet es, zu sagen, ein Gedicht sei schnell? Dass es schnelle Wechsel vollziehe? Sind diese inhaltlicher Natur oder überholt die Form nicht längst auf der rechten Spur? Rasen die Kontexte, im Einzelnen kaum noch auszumachen, am inneren Fenster vorbei?

Wenn es ein ästhetisches Vergnügen am Geschwindigkeitsrausch gibt, müsste man doch unterscheiden zwischen stillen selbstbestimmten Lesern und dem eigenarten Wesen des Hörers einer Lesung, der in den seltensten Fällen Einfluss auf das Tempo nehmen kann. Geht es am Ende darum, den Leser, mehr noch den Hörer abzuhängen? Das kann nicht sein. Er sitzt schließlich auf der Rückbank, wenn nicht gar im Fahrersitz, von dem es, den Ingenieuren von Delphi sei Dank, so viele gibt, wie Leser da sind.

Nun ist aber die Reputation schneller Gedichte besser als die von flüchtig hingemachten, um nicht zu sagen: schlampigen. Doch wessen Unterscheidung gilt?

Ist der Klang, wie Freud meinte, schneller als der Sinn? Aber was ist schneller als der Sinn? Das Licht! Richtig. Wie aber sieht es im Dunkeln aus? Im stehenden Sturmlauf zittert der verfinsterte Sinn auf der Stelle. Heulen schon die Motoren? Wer heult als nächstes? Und wer wagt die erste Bewegung? Wobei die endgültige Frage, wer am Ende den Sinn als Beute nachhause bringt, hier bis eben noch gar nicht gestellt worden ist.

Diesen Bewegungen möchte ich, anhand vieler verschiedener Beispiele am 5. Juli 2016 nachgehen.


Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Jahrestagung "BESONDERS/ EXEMPLARISCH. Morphomatische Fallstudien zu Biographie und Portrait" vom 04.–06.07.2016 statt.

www.facebook.com/PoeticaKoeln

 

Foto: © Gene Glover

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