Literatur der Archäologie

Materialität und Rhetorik im 18. und 19. Jahrhundert
28.–30.07.2010

Organisation: Jan Broch (); Jörn Lang ()

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Seit der Einführung der Metapher von der „Archäologie des Wissens“ durch Michel Foucault hat die jüngere Forschung wiederholt versucht, den Begriff der Archäologie für eine allgemeine Kulturtheorie nutzbar zu machen. Andererseits musste sich wie alle Kulturwissenschaften das Fach Archäologie mit dem prägenden Einfluss sprachlich-literarischer bzw. rhetorischer Verfahren auf die Gewinnung und Formulierung von Erkenntnissen auseinandersetzen, auf den immer wieder hingewiesen wurde und der die Archäologie umso mehr berührt, als zu Anfang jeder archäologisch-wissenschaftlichen Erkenntnis eine Beschreibung der Befunde steht.

Auf Grundlage dieser Ansatzpunkte sind Untersuchungsfelder für das Verhältnis von Literatur und Archäologie abzustecken, welches bereits im 18. Jh. thematisiert wurde. Aus den Blickwinkeln der Fächer Archäologie und Germanistik sollen so Veränderungen und Persistenzen in der Erschließung der Antike deutlich werden, die ebenso in der dichterischen Transformation wie auch den wissenschaftlichen Texten ablesbar sind. Dies erscheint für die Zeitspanne des 18. und 19. Jahrhunderts als besonders vielversprechend, da diese eine Umbruchphase von den Bemühungen der gelehrten Antiquare und Ästhetiker bis hin zu den methodisch reflektierten und akademisch spezialisierten Disziplinen darstellt und zu fragen ist, ob und wie dadurch auch das Verhältnis von Archäologie und Literatur neu verhandelt werden musste. Das zu zeichnende Spannungsfeld umfasst ausgehend von einer theoretisch orientierten Bestimmung des Begriffes Archäologie zum einen die Thematisierung der Archäologie in dichterisch-literarischen Werken (Entdeckung der Antike durch Grabungen, Figur des Archäologen, Bezüge auf antike Denkmäler in Lyrik und Prosa etc.), zum anderen Literatur als Quelle archäologischer Tätigkeit und als Medium der Formulierung und Systematisierung generierter Wissensbestände bzw. intersubjektiver Diskursivität (rhetorische Verfahren innerhalb der Archäologie, Strategien der Überzeugung etc.).

Damit berührt die Tagung eben ein zentrales Problemfeld des Internationalen Kollegs Morphomata (in die Zukunft übertragbare und wirkmächtige Wissenskondensationen im Bild einerseits, im Text andererseits – und ihre Vernetzung). Denn wenn als „Morphom“ die sinnlich konkretisierte Form einer Idee bzw. eines gedanklichen Konstrukts verstanden wird, wie ist dann das Verhältnis der verschiedenen medialen Fassungen dieser Form bzw. eines Morphoms – zueinander und zu der ihnen zugrundeliegenden Idee? Dieses Problem der medialen Bedingungen stellt sich vor allem auch für das Verhältnis von visuell wahrgenommener Form (Bild als Morphom) und literarisch vermittelter Form (Text als Morphom). Sind beide Gestaltungsweisen im Verhältnis zu ihrer Idee einfach korrelierend und damit äquivalent, oder entsprechen ihnen jeweils Besonderheiten, die für eine Theorie der Morphomata reflektiert, vielleicht sogar als Vorzüge oder Probleme der jeweils einzelnen Medien thematisiert werden müssten?

Die Tagung hat sich zum Ziel gesetzt, diese Frage für das Verhältnis von textuell-ideal (rhetorisch) und materiell-konkret (haptisch) basierter Wissenordnung im Bereich der archäologischen und dichterischen Ausgrabungen zu konkretisieren.

Audiomitschnitte

Isabel Kranz (Erfurt): Abdruck als Begriff. Ein archäologisch-histrographisches Paradigma bei Walter Benjamin

Jörn Lang (Köln): Antiquarische Wissensordnung und Strategien ihrer Präsentation in den Schriften Antonio Francesco Goris

Timm Reimers (Berlin): Archäologisches Wissen in Edwar Bulwer-Lyttons "The last days of Pompeii" und Robert Hamerlings "Aspasia"

Kathrin Schade (Berlin): Antiquaitates - Archaiologia - Archäologie