Über Morphomata

Morphomata als Käte Hamburger Kolleg

Das „Internationale Kolleg Morphomata: Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative „Freiraum für die Geisteswissenschaften“ als eines von zehn Käte Hamburger Kollegs seit 2009 gefördert (aktuelles Förderkennzeichen 01UK1505). Am Morphomata-Kolleg forschen jährlich etwa zehn Fellows aus aller Welt gemeinsam mit Kölner WissenschaftlerInnen zu Fragen kulturellen Wandels. Ausgangspunkt für das interdisziplinäre Gespräch bilden Figurationen, die mit dem griechischen Namen des Kollegs, Morphomata, als „Ausformungen“ (μορφώματα) verstanden werden. Analysiert wird die in Prozessen der Gestaltbildung und Gestaltwerdung entstandene Form kultureller Artefakte, die begrifflicher Festlegung entzogen ist, in ihrer Entstehung und Eigendynamik, ihrer Materialität und unterschiedlichen Diskursivierungen.

Im Dialog mit internationalen WissenschaftlerInnen gibt das Kolleg geisteswissenschaftlicher Forschung einen neuen Ort – ein Denklabor, in dem unterschiedliche disziplinäre und kulturelle Perspektiven verhandelt werden. Die Fellows bereichern das Lehrangebot der Universität durch öffentliche Vorlesungen, Tagungen und Publikationsbeiträge. Ergebnisse der Arbeiten des Kollegs aus der ersten Förderphase (2009–2015) mit den vier Themenschwerpunkten Figurationen des Schöpferischen, Figurationen des Wissens und der Zeit, Figurationen des Todes und Figurationen von Herrschaft liegen unter anderem in den beiden Schriftenreihen „Morphomata“ und „Morphomata Lectures Cologne“ vor.

Einen Einblick in die Arbeit des Kollegs, einen Überblick der Fellows und der bisherigen Publikationen gibt unsere Informationsbroschüre:

Fokus: Biographie und Porträt als Figurationen des Besonderen

In der zweiten Förderphase ab April 2015 beschäftigt sich Morphomata mit Biografie und Porträt als Figurationen des Besonderen. Der Akzent liegt nicht auf Genregrenzen zwischen Auto/Biographie bzw. zwischen Selbst/Porträt, sondern auf „Life Writing“ und „Life Imaging“ als Darstellungsprinzipien. Dabei werden auch komplementäre Figurationen des Besonderen einbezogen, etwa Systeme der Namensgebung, biographische Bildsequenzen oder Objekte, die als Vergegenwärtigung eines Menschen aufgefasst werden. Insgesamt verfolgt Morphomata die Analyse kultureller Wandlungsprozesse. Im Ausgang von kulturellen Manifestationen sind nicht nur historische Hinsichten im Blickfeld, sondern auch interkulturelle Dynamiken. 

Mit Hilfe dieser thematischen Ausrichtung sollen die Fragestellungen und Untersuchungsmethoden, die interdisziplinären und interkulturellen Gesprächsanordnungen sowie die Dialoge zwischen WissenschaftlerInnen und LiteratInnen/KünstlerInnen der ersten Förderphase fortgeschrieben und weiterentwickelt werden. Der neue Fokus ermöglicht dies, weil

  1. Biographie wie Porträt Figurationen der ersten Förderphase integrieren können: des Schöpferischen (z.B. Künstler- und Wissenschaftlerbiographien bzw. Porträts), der Zeit (Darstellung von Lebensphasen), der Herrschaft (Standesporträts bzw. Herrscherbiographien), des Todes (Totenmasken, Nachrufe);
  2. Biographie wie Porträt weiterhin die Spannung zwischen Textkulturen und materialbasierten Kulturen ausloten lassen, die schon die gemeinsame Forschungsarbeit der beiden Fellowgruppen in der ersten Förderphase prägten;
  3. Biographie wie Porträt Untersuchungsgegenstände in einem breiten Spektrum kulturwissenschaftlicher Disziplinen sind und damit konsequent interdisziplinär analysiert werden können;
  4. Biographie wie Porträt wiederum kulturvergleichende Studien erlauben;
  5. Biographie wie Porträt einen fruchtbaren Dialog von AutorInnen/ KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ermöglichen. Im Fall der Biographik rückt hier in den Vordergrund, dass sie sowohl fiktives wie nonfiktives Genre sein kann. Aus wissenschaftlicher Perspektive hat Biographik also sowohl Subjekt- wie Objektstatus.

Fellowgruppen und Jahresschwerpunkte

Entscheidend für das Forschungsprogramm ist der Bezug beider Felder auf einer figurativen Ebene, d.h. beispielsweise die Möglichkeit, aus den Teilmomenten eines Porträts eine Geschichte herauszulesen und in der biographischen Beschreibung eine Person bildhaft vor Augen treten zu lassen. Misch- und Übergangsformen von der Bebilderung vieler Biographien über Inschriften auf Bildnissen bis hin zur Narrativierung von Porträts belegen das in historischer Perspektive reiche morphomatische Tableau. 
Wie in der ersten Förderphase werden zwei Fellowgruppen gebildet: FG1 setzt bei Forschungen zur Biographie an, FG2 beim Porträt. Der disziplinäre produktive Kontrast in den Kompetenzen der beiden Antragsteller als Neugermanist bzw. Klassischer Archäologe spiegelt sich somit in der thematischen Fokussierung der Fellowgruppen. In der Beschreibung kultureller Wandlungsprozesse und im Hinblick auf kulturvergleichende Fragestellungen setzt Morphomata dabei auf die gezielte Diskussion theoretischer und medienwissenschaftlicher Aspekte, die Fallstudien zu einzelnen kulturellen Ausformungen flankieren, den methodischen Freiraum der Fellows aber keinesfalls einschränken sollen. Besonderes Interesse gilt dabei nicht einer Fülle möglicher Einzelstudien, sondern konvergierenden Perspektiven beider Fellowgruppen und einer allgemeineren Diskussion kultureller Wandlungsphänomene. Dies soll verstärkt auf gegenwärtige kulturwissenschaftliche und medienwissenschaftliche Diskurse bezogen werden.
Das gemeinsame Interesse der Fellows an Lebensbeschreibungen und -bildern als übergreifende und integrierende Erkenntnisgegenstände soll die Basis für die Verbindung von Grundlagen- und fachlichem Spezialwissen in allen Fellowdialogen bilden und das Gespräch auch zwischen den Fellowjahrgängen erleichtern. Die zeitliche Gliederung der Kollegarbeit erfolgt durch Vorschläge für innovative Fragestellungen, die abgeleitet sind von den Arbeitszusammenhängen der beiden Fellowgruppen, diese komplementär verbinden und in einer jährlichen Schwerpunktkonferenz zusammenführen.

Vorgesehen sind folgende Jahresschwerpunkte:

  • 2015–2016: Das Besondere als das Exemplarische? 
  • 2016–2017: Perspektivenkonkurrenz: Figuren der Imagesteuerung 
  • 2017–2018: Geschlossene vs. offene Beschreibungsformen 
  • 2018–2019: Das Besondere zwischen Ausgrenzung und Auszeichnung
  • 2019–2020: Kontrast- und Komplementärfiguren zu Porträt und Biographik 
  • 2020–2021: Abschluss: Morphomatas Beitrag zum Kulturvergleich am Beispiel von Porträt und Biographie

Ausschreibungen

Morphomata schreibt in der Regel jährlich im August/September Fellowships aus. Mindestvoraussetzung für ein Fellowship ist eine Juniorprofessur oder eine vergleichbare Position sowie ein Forschungsschwerpunkt im Bereich von Biografie/life writing und/oder Portrait bzw. in einem theoretischen Feld, das sich mit der Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen befasst. Nähere Informationen zu den Fellowships finden Sie hier. Bekannt gegeben werden Ausschreibungen über unsere Homepage und unseren Newsletter.