Prof. Dr. Ulrike Lindner

Neuere Geschichte, Köln
Aufenthalt: 01.04.-30.09.2016

Vita

Ulrike Lindner ist Professorin für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln. Nach einem Studium in München und Oxford hat sie 2001 an der LMU München mit einer Arbeit zur Gesundheitspolitik in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 promoviert, für die sie den Preis des DHI London erhielt. 2005/2006 war sie Feodor-Lynen-Fellow der A.v.- Humboldt-Stiftung in Cambridge (UK), 2007 hatte sie Stipendien für Forschungsaufenthalte in Afrika, 2008 war sie Fernand-Braudel-Senior Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. 2010 schloss sie ihre Habilitation zur vergleichenden Kolonialgeschichte ab. Bevor sie 2013 nach Köln kam, hat sie u.a. in München, Bielefeld und Mannheim gelehrt.

 

Forschungsschwerpunkte

Geschichte des europäischen Kolonialismus in Afrika, Geschichte der Sozialpolitik im europäischen Vergleich, Entangled history, vergleichende Geschichte, Globalgeschichte, Geschlechtergeschichtliche Ansätze

 

Projektskizze

Biographien des Widerständigen. Das Beispiel des kolonialen Widerstandskämpfers Jacob Morenga

 

Das Projekt wird sich mit Möglichkeiten der Erzählung widerständigem Lebens und Verhaltens in kolonialen Situationen auseinandersetzen und dabei verschiedene mediale Zugänge reflektieren. Das ausgewählte Beispiel des Jacob Morenga kann schon insofern als Figuration des Besonderen analysiert werden, als er bereits zu Lebzeiten sowohl bei seinen Gegnern als auch bei der afrikanischen Bevölkerung zum Mythos wurde. Es gelang ihm, sich über lange Zeit der riesigen Übermacht der deutschen Kolonialtruppen im Herero-und-Nama-Krieg (1904-1907) in der deutschen Kolonie Südwestafrika zu widersetzen. Die Geschichte Morengas wurde – fiktiv verändert – in einem Roman von Uwe Timm, Morenga (1978), und einer Verfilmung des Romans von Egon Günther (1985) aufgegriffen. Der besondere Ansatz des vorliegenden Projekts besteht darin, dass – basierend auf schon vorhandenen Archivquellen - zunächst publizierte zeitgenössische Quellen nach weiteren Möglichkeiten des biographischen Erzählens ausgelotet werden, das mit einer bildhistorischen Analyse der wenigen Porträtfotos von Morenga verknüpft wird und dies schließlich auf einer dritten Ebene mit der Analyse der medialen Zugänge in Romans und Films verwoben wird. An dem Projekt lassen sich so exemplarisch interdisziplinäre Fragen des Life Writing, der Biographik und der Portraitistik untersuchen.

 

Publikationen (Auswahl)

  • Gesundheitspolitik in der Nachkriegszeit. Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich. Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, Bd. 57, München (Oldenbourg) 2004.
  • Koloniale Begegnungen. Deutschland und Großbritannien als Imperialmächte in Afrika 1880-1914, Frankfurt a. M./New York (Campus) 2011.

 

Mitherausgeberschaften:

  • mit Maren Möhring/Mark Stein/Silke Stroh (Hg.): Hybrid Cultures-Nervous States. Germany and Britain in a (post)colonial world, Amsterdam/New York (Rodopi) 2010.
  • mit Angelika Epple/Olaf Kaltmeier (Hg.): Entangled Histories. Reflecting on Concepts of Coloniality and Postcoloniality, Special Issue Comparativ 21 (2011).

 

Artikel:

  • Neuere Kolonialgeschichte und postcolonial studies, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 15. 4.2011. (http://docupedia.de/zg/Neuere_Kolonialgeschichte_und_Postcolonial_Studies).
  • The Transfer of European Social Policy Concepts to Tropical Africa, 1900-50: The Example of Maternal and Child Welfare, in: Journal of Global History, 9 (2014), S. 208-231.
  • New Forms of Knowledge Exchange between Imperial Powers: The Development of the Institut Colonial International (ICI) since the End of the 19th century, in: Volker Barth, Roland Czetowski (ed.), Encounters of Empires. Interimperial Transfers and Imperial Manifestations, 1870-1950, London (Bloomsbury), 2015, S. 57-78.
  • Transcending Gender Roles, Crossing Racial and Political Boundaries: Agnes Hill in German South West Africa, in: Journal of Imperial and Commonwealth History 2016 (in press).