Martin Schulz

Kunstgeschichte, Karlsruhe
Aufenthalt: 01.04.-30.09.2015

Vita

Privatdozent für Kunstgeschichte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT); Gast- und Vertretungsprofessuren am Exzellenzcluster »Asia and Europe in a Global Context« der Universität Heidelberg, an der Universität Jena, der Tallinn University sowie der Kunstakademie Karlsruhe, Fellowships am »Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie« (Bauhaus-Universität Weimar) und am »Internationalen Forum Kulturwissenschaften« (Wien), Wissenschaftlicher Koordinator des DFG-Graduiertenkollegs »Bild, Körper, Medium. Eine anthropologische Perspektive« an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (2000–2009)

 

Forschungsschwerpunkte

Moderne und zeitgenössische Kunst, Kulturgeschichte der Bilder und ihrer Medien, Kunsttheorie, Theorie und Geschichte der Neuen Medien, Global Art Studies, Geschichte des Porträts und der Landschaft, Gegenstandslose Malerei, Installationskunst, Bild und Tod

 

Projektskizze

Bild und Maske. Zum Anachronismus der TV-Gesichter

 

Das Projekt beschäftigt sich in interkultureller Perspektive mit dem anthropologischen wie morphologischen Verhältnis von Gesicht, Maske, Bild und Medium, einem Verhältnis, das stets zugleich von aktueller Bedeutung bleibt und insbesondere die figürlichen Narrative sozialer Rollen und gesellschaftlicher Identität betrifft. In der Perspektive einer longue durée steht die Geschichte des europäischen Porträts von der Neuzeit bis zu den Bildgesichtern in den aktuellen elektronischen Medien in einer nachhaltigen Kontinuität. Im Morphom des medieninszenierten und -generierten künstlichen Gesichts durchdringen sich das je Singuläre mit dem Exemplarischen, entsprechend auch das Individuelle und Zeitspezifische mit sehr alten Konventionen. Ein solches Unterfangen hebt sich daher von dem oft dominanten Zäsurendenken der Diskurs- und Technikanalysen ab, um zu verdeutlichen, dass es, bei allen technischen und kulturellen Differenzen, ebenso eine anhaltende wie kultur- und medienübergreifende Bildgeschichte gibt, die einen chronischen Anachronismus in sich trägt – wobei vor allem die interkulturellen Wanderungen, Übersetzungen und Vermischungen von Bildgesichtern im Fokus stehen werden. Ins Zentrum der Untersuchungen rücken dabei die medialen Schichtungen zwischen „natürlichen“ und „künstlichen“ Gesichtern. Sie zeigen an, dass in bestimmten, stark ritualisierten Bildern etwa des aktuellen Fernsehens Voraussetzungen und Darstellungsmodi bestehen, die viel ältere, aber dennoch aktive Schichten einer globalen Geschichte in sich tragen: den engen Zusammenhang zwischen Gesicht, Maske, Bild und Medium, in dem das Singuläre und Exemplarische, Leben und Tod, „Life Imaging“ und das Anonyme zugleich eingeschrieben sind.

 

Publikationen (Auswahl)

Monographien

  • Ordnungen der Bilder. Eine Einführung in die Bildwissenschaft, Fink Verlag, München 2005 (zweite überarbeitete und erweiterte Auflage 2009).
  • Imi Knoebel. Die Tradition des gegenstandslosen Bildes, Verlag Silke Schreiber, München 1998.

 

Herausgeberschaften

  • Technology and Desire. The Transgressive Art of Moving Images, hrsg. mit Rania Gaafar, Intellect, London 2014.
  • Techniken des Bildes, hrsg. mit Beat Wyss, Fink Verlag, München 2010.
  • Kulturen des Bildes, hrsg. mit Birgit Mersmann, Fink Verlag, München 2006.
  • Quel Corps? Eine Frage der Repräsentation, hrsg. mit Hans Belting/Dietmar Kamper, Fink Verlag, München 2002.

 

Aufsätze

  • Animated and Animated Images of Landscape. Space Voyage and Time Travel in the Art of Pieter Bruegel the Elder, in: Rania Gaafar/Martin Schulz (ed.), Technology and Desire. The Transgressive Art of Moving Images, London 2014, 21-36.
  • Un-Masking the Portrait. The Anachchronism of TV-Faces, in: Oliver Grau (ed.), Imagery in the 21st Century, Chicago/MIT Press 2011, 32-51.
  • Die Sichtbarkeit des Todes im Medium der Fotografie, in: Thomas Macho/Kristin Marek (Hrsg.), Die neue Sichtbarkeit des Todes, München 2007, 289-313.
  • Die Nicopea in San Marco. Zur Geschichte und zum Typ einer mittelalterlichen Ikone, in: Byzantinische Zeitschrift 91, 1998, 475-50.